Vortrag: Literatur & Religion - mit Zertifikat

Literatur & Religion – Teil 2
Vorträge im Herbst 2021 mit Jean Pierre Bünter

«Kürzer und dichter» – so könnte das Motto der diesjährigen Vortragsreihe des Hombrechtiker Germanisten und Theologiestudenten Jean Pierre Bünter lauten. Literatur kann mehr als lediglich die äußere Realität abbilden, sie stellt die grossen Fragen der menschlichen Existenz. Die vorgestellten Gedichte ringen alle in irgendeiner Weise mit der Frage: Warum Gott?
Die Vorträge finden Jeweils an einem Donnerstagabend statt. Sie können einzeln besucht werden. Die vorgängige Lektüre ist erlaubt, aber kein Muss.

09.09.21 – Goethes Prometheus
«Ich kenne nichts Ärmeres unter der Sonne als euch, Götter!» So spottet Prometheus über Zeus. Prometheus steht – wie Faust – für den selbstbewussten, aufgeklärten Menschen, der auf die Götter pfeift. Goethes Hymne «Prometheus» (eigentlich eine Antihymne) stellt Gott in Frage. Ist es auch wirklich Goethes (und unser?) letztes Wort?

30.09.21 – Rilke und/oder Benn
Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien kreisen um den Einbruch des Göttlichen in unsere Welt, der Dermatologe Gottfried Benn diagnostiziert in Morgue (=Leichenhalle) das Leiden der Menschen. Der hymnischen Sprache des Prager Dichters steht das kühle Protokoll des ehemaligen Militärarzts entgegen. Wo gehen unsere Sympathien hin? Sind wir «Realisten» oder «Mystiker»?

04.11.21 – Paul Celans Gelobt seist Du, Niemand
Der im heute ukrainischen Czernowitz aufgewachsene Paul Celan verlor seine Eltern in der Schoa, zog nach Paris und dichtete zeitlebens in der Sprache der Mörder seiner Eltern. Seine Gedichte sind das Kaddisch (=Totengebet) eines (scheinbaren?) Atheisten. Mit der Todesfuge schuf Celan ein Jahrhundertgedicht, Gelobt seist du Niemand stellt unerbittlich die Frage nach der Abwesenheit Gottes in Auschwitz.
Eine Frage, der kein Christ, keine Christin ausweichen kann.

18.11.20 – Hilde Domins Abel steh auf
Auch Hilde Domin, die sich nach der Insel ihres Exils nannte, verlor ihre Eltern als Folge der Nazidiktatur. Ihre Wunde brach vollends auf, als sie kurz vor dem Wiedersehen mit ihrer Mutter nach bald zwei Jahrzehnten Trennung von deren Tod erfuhr. Das Schlüsselwort der kämpferischen Heidelberger Dichterin ist aber «Dennoch». Nicht müde werden lässt uns aufs Wunder hoffen…
Werden auch wir «nicht müde»?
Kontakt: Pfr. David Jäger
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